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Nr.112 | Dienstag, 18.Mai 2010 Stuttgarter-Nachrichten

Schraubensuche
leicht gemacht
Beim Wettbewerb "Jugend forscht" siegen zwei Stuttgarter Azubis.
Zwei angehende Mechatroniker der Firma Bosch aus Feuerbach überzeugten die Juroren von "Jugend forscht" mit einem Gerät, das Schraubentypen erkennen kann. Beim Bundesentscheid in Essen wurden sie jetzt in einer der acht Kategorien zu Siegern gekürt.
VON STEFFI KIRSCHTHALER
STUTTGART. Der Hobbyschrauber kennt das Problem: Wer für sein Billy-Regal eine zusätzliche Schraube braucht, steht mit dem Exemplar ohne Typnummer im Baumarkt verloren vor der riesigen Auswahl. Genau dafür haben der 18-jährige Christopher Dörrer und der ein Jahr ältere Tobias Kühfuß eine Lösung. Sie haben ein Gerät entwickelt, das sekundenschnell erkennt, um welche Schraube es sich handelt. „Weltweit gibt es unzählige verschiedene Schraubenarten, selbst der Fachmann braucht einige Minuten, um die richtigen Bestelldaten herauszufinden“, sagt Christopher Dörrer. Die Alubox der „Jugend-forscht“-Sieger macht mit einer eingebauten Kamera ein Bild von der noch vorhandenen Schraube und überträgt es auf den Computer. Dort kann dann das Gewinde vermessen werden – und die Typnummer steht fest. So weiß der Kunde, welche Schraube er kaufen muss.
Der Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ wurde in diesem Jahr zum 45. Mal organisiert. Eine Jury, die sich aus Lehrern, Ausbildern und Wirtschaftvertretern zusammensetzt, bewertet die Arbeit der Jugendlichen in einem viertägigen Wettbewerb. „Es war wie auf einer Messe, jeder hatte einen eigenen Stand und musste seine Arbeit präsentieren“, sagt Tobias Kühfuß. Insgesamt gibt es acht verschiedene Fachkategorien wie beispielsweise Arbeitswelt, Physik, Chemie, Technik oder Biologie. Zusätzlich werden Sonderpreise vom Bundespräsidenten oder der Bundeskanzlerin vergeben.
Als die Preisverleihung in Essen begann, glaubte Tobias Kühfuß schon fest an den Sieg in ihrer Kategorie Arbeitswelt. „Als am Schluss aber nur noch wir und ein anderes gutes Team aus Baden-Württemberg übrig blieben, war ich verunsichert. “Die Gewinner Tobias Kühfuß aus Bietigheim-Bissingen und Christopher Dörer aus Filderstadt sind im zweiten Ausbildungsjahr zum Mechatroniker bei Bosch in Feuerbach und besuchen das Berufskolleg. Nach ihrer Fachhochschulreife wollen sie studieren.


Das Patent der Alubox ist durch:
Eine Firma zeigt schon Interesse
Die beiden jungen Männer haben für ihren Apparat monatelang getüftelt, programmiert und gebaut. Tobias Kühfuß: „Es gab keine Arbeitsteilung, jeder hat alles gemacht.“ Ungefähr 450 Arbeitsstunden haben sie in ihre Erfindung investiert. „Das Patent haben wir bereits dafür.“ Das Gerät solle hauptsächlich in Firmen zum Einsatzkommen, eine Firma hätte schon Interesse gezeigt. „So günstig wie möglich“, sollte ihr „Oges“ (optisches Gewindeerkennungssystem) sein. Christopher Dörrer: „Der Prototyp hat nur 95 Euro gekostet.“ Ihr Ausbilder Günter Feucht ist stolz. Schon im vergangenen Jahr haben Schützlinge von ihm den Wettbewerb in der Kategorie Technik gewonnen. Er ist sicher: „Das Engagement wird sich später bei der Stellensuche auszahlen.“

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